KAP HOORN - Tauchgang am Ende der Welt

MONTE CERVANTES - Tragisches Schicksal eines Hamburger Passagierschiffes

Ich bin wieder frisch zurueck aus Argentinien in Hamburg gelandet. Ich kann meine vielen Eindrücke gar nicht in Worte fassen. Entgegen aller Befuerchtungen war das Wetter einfach traumhaft, fast nur Sonne und windstille See lediglich am Tag der Kap Hoorn Umrundung zeigte uns Tierra del fuego (Feuerland) kurz sein wahres Gesicht. Denn ploetzlich tuermte sich die sonst so friedliche See innerhalb von Minuten zu meterhohen Wellen auf. Man neigt ja gerne zu Uebertreibungen aber laut unseres Kapitaens hatten wir ca. 8 Meter hohe Wellen, das entspricht einer Höhe von 16 Metern Differenz zwischen Wellental und Wellenspitze! Was soll ich sagen ich habe gekotzt wie ein Stier und mit mir fast die ganze Mannschaft und dennoch haben wir uns alle wacker geschlagen und die Stellung an Bord gehalten. Nach der Umrundung von West nach Ost haben wir die Nacht in einer ruhigen Bucht verbracht und am naechsten Morgen war wieder Kaiserwetter mit Sonnenschein. Wir sind dann an das Kap gesegelt und haben die Insel besucht auf der eine junge Familie wohnt und dafuer sorge traegt, dass das Leuchturmlicht auch immer brennt. Aber die eigentliche Aufgabe dieser Familie besteht darin den Funkkontakt zu den chilenische Marineschiffen zu gewaerleisten und chilenisches Hoheitsgebiet gegenüber den Argentiniern zu demonstrieren. An diesem Tag haben wir einen Tauchgang direkt vor den Felsen des gefuerchteten Kaps als erste Menschen der Welt gemacht. Die Bedingungen waren ideal und das Wasser am Kap war ungewöhnlich ruhig wie selten. Während des Tauchgangs haben wir beeindruckende Bilder gedreht. Nach unserem Tauchgang hatten wir dann auch noch dass Glueck von Delphinen umgeben zu sein....;-) ein wirklich traumhaftes Erlebnis. Aber auch wenn sich alles so schoen anhoert will ich nicht vergessen zu erwaehnen, dass wir viel und hart gearbeitet haben. Taeglich 13 Drehstunden waren auf unserer Reise ganz normal. Durchschnittlich habe ich taeglich 2 Tauchgaenge mit UW-Kamera gemacht und das bei 1 - 4°C Wassertemperatur. Produziert wurde das ganze von Spiegel-TV und Greenscreen Filmproductions für eine ZDF Dokumentation, dabei war ich als Koordinator und Kameramann für die Unterwasseraufnahmen engagiert. Im Rahmen dieser Dokumentation haben wir bereits im Mai einen Film über Matthias Mopfmüller, dem Kopf des Teams, auf einem Schiff in der Nord- und Ostsee gedreht. Dabei sind wir unter anderem vor Helgoland an der langen Anna und in der Flensburger Förde am Wrack der Inga Klitt getaucht. Ausstrahlungstermin für diese Produktion ist am 27.03.2001 in der ZDF Sendung 37°. Mein schoenstes Erlebnis während der Kap Hoorn Produktion war ein Eistauchgang an einem Gletscher, der bis in den Beagelkanal hinauslief. Hier haben wir wirklich einmalig schoene Bilder gedreht waehrend ueber uns meterdicke eisplatten ihren Weg durch den Kanal suchten. Nach dem Tauchgang sind wir bis auf wenige Meter an den Gletscher herangefahren und ploetzlich begann dieser zu kalben und es krachten riesige Eisbrocken aus mehr als 50 Metern Hoehe vor uns ins Wasser. Dabei entstand eine wahnsinns Flutwelle...! Nach unserer Reise an und um das Kap Hoorn habe ich noch mit zwei anderen Kollegen ( UW-Licht und UW-Assistant) weiter auf unserem Schiff der Golden Ffleece gelebt, da wir jeden Tag zu den Aufbauten des Wracks der Monte Cervantes, direkt vor Ushuaia, hinausgefahren sind um dort zu tauchen, denn dieses Schiff war auch Schwerpunkt unserer Produktion. Insgesamt haben wir hier mehrere Filme mit zum Teil unterschiedlichen Themen produziert um die Hohen Produktionskosten zu Decken. In allen Filmen wird das eben erwähnte Wrack auftauchen so dass darauf das Hauptaugenmerk lag. Die Monte Cervantes wurde damals in Hamburg gebaut und gehoerte der Hamburg-Sued. 1930 ist sie mit rund 1.500 Passagieren auf ein Riff vor Ushuaia gelaufen. Die Umstaende waren recht misterioes und deren Ausfuehrung waeren jetzt auch zu langwierig. Auf jeden Fall ist dieses Schiff mit mehr als 1500 Passagieren auf ein Riff gelaufen und drohte zu sinken. Dann hat der Kapitaen das Schiff mit Volldampf vom Fels gezogen und auf ein anderes grosses nahes Riff gesetzt und hat sie somit vorerst vor dem Untergang bewahrt. Diese Aktion rettete allen Passagieren das Leben. Spaeter wurde das Wrack ab 1940 von einer italiaenischen Firma abgewrackt wobei die Aufbauten vom Rumpf getrennt und auf ca. 38 Metern versenkt wurden. Diese Aufbauten haben wir die letzten 14 tage unserer Reise betaucht. Dabei haben wir viele Dinge gefunden und geborgen, wie Silberbesteck, Glaeser, verschlossene Weine und Likoere und an das örtliche Museum übergeben. 1954 wurde dann nach 14 Jahren Arbeit versucht den Rumpf vom Felsen in den Hafen von Ushuaia zu ziehen, was aber misslang und der Rumpf endgültig in der Tiefe versank. Mit einem UW-Roboter haben wir versucht eben diesen Rumpf wieder zu finden...und wie ein Wunder haben ihn auch auf Anhieb gefunden und koennen somit erstmals diesen Teil des Schiffes der Welt zeigen. Der Rumpf liegt in einem Teil leicht zur Seite geneigt auf dem sandigen Boden des Beagelkanals. Wir konnten uns bis zu den Schrauben vorarbeiten, von denen aber nur noch eine vorhanden ist. Bei dem Versuch den Schiffsnaemen am Heck zu finden, braute sich in Windeseile ueber Wasser ein Sturm zusammen und wir konnten nur knapp den Roboter wieder aus dem Wasser bergen. Auf unserer Rueckfaht nach Ushuaia war das Boot mehr unter als ueberwasser. Das Wasser lief uns aus allen Naehten aber es hat ein riesen Spass gemacht. In der letzten Woche gesellten sich noch die Trimixtaucher Jens Hilbert und Olaf Götsch zu uns um, bewaffnet mit vielen Tanks, Licht und einer Kamera, Aufnahmen direkt vom Rumpf zu machen. Dabei muessen die Jungs fuer einen 10 minuetigen Tauchgang auf 130 Metern einen 3,5 stuendigen Aufstieg machen um das mit Stickstoff angereicherte Blut in verschiedenen Tiefen wieder zu reinigen d.h.den Stickstoff wieder ueber die Lungen abzuatmen, und das geht leider nur unter Druck, darum die lange Auftauchzeit. Damit die Jens und Olaf bei 3°C Wassertemperatur nicht frieren haben sie sich Sitzheitzungsrippen in ihren Anzug gebaut. Leider schlug das Wetter ein wenig um und Feuerland zeigte uns sein wahres Gesicht denn das Wetter der vergangenen 4 Wochen war voellig unueblich fuer diese Jahreszeit und war der sonnigste und windstillste Fruehling (wir sind auf der suedhalbkugel) seit Aufzeichnung des Wetters vor Ort. Normalerweise ist der Fruehling die stuermischste Jahreszeit. Das wurde uns auch in der letzten Woche oft vorgefuehrt mit Windgeschwindigkeiten von 60 knoten ca. 110 km/h und das innerhalb von 5 Minuten. Das ganze Spektakel dauert dann vielleicht eine Halbe- bis Dreiviertelstunde und ploetzlich scheint dann wieder die Sonne und weitere 10 Minuten spaeter schneit es dann. So aehnlich wie bei uns der April halt bloß viel extremer. Leider gab es durch diese Wetterproblematik und durch eine Stirnhölenentzündung bei Jens, keine Möglichkeit für die Trimixer zum Wrack hinab zu tauchen...schade. Aber dennoch übertrafen unsere Aufnahmen alle Erwartungen und wir konnten mit einem guten Gefühl zurück in die Heimat fliegen. Der Ausstrahlungstermin für die ZDF-Dokumentation über das Schicksal der Monte Cervantes ist am 22.April 2001.
 

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